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Was ist ein Modell?

Über die Zukunft einer Gemeinde wird viel gesprochen, und meistens bleibt es beim Sprechen. „Wir müssen etwas tun“ ist keine Aussage, an der sich später zeigen könnte, ob sie zutraf.

Ein Modell ist der Versuch, genauer zu werden. Es sagt: Wenn die Lage so ist und man dieses tut, dann wird die Lage so. Mehr nicht — aber das ist schon eine Menge, denn ein solcher Satz lässt sich nachrechnen, bestreiten und hinterher überprüfen.

Ein Beispiel

Die Zahlen sind hier erfunden; es geht nur darum, wie so etwas aussieht.

Angenommen, in der Gemeinde stehen 300 Straßenlaternen, davon 120 alte, die viel Strom verbrauchen. Jedes Jahr werden 20 davon ausgetauscht. Das sind drei Angaben: wie die Lage ist, was sich verändert, und in welchem Takt.

Damit lässt sich rechnen. Nach einem Jahr sind es noch 100 alte Laternen, nach zwei Jahren 80, nach sechs Jahren keine mehr. Wer diese Rechnung nachvollzieht, kann ihr widersprechen — etwa weil der Takt in Wahrheit anders ist oder weil Laternen hinzukommen. Genau dieser Widerspruch ist der Sinn der Sache: Über eine Rechnung kann man streiten, über eine Absichtserklärung nicht.

Zwei Fragen an dasselbe Modell

Ein Modell lässt sich auf zwei Arten benutzen, und der Unterschied ist wichtig.

In der ersten Form rechnet das Modell vorwärts, in der zweiten rückwärts. Beschlüsse einer Gemeinde sind fast immer der zweite Fall: Es gibt eine Vorstellung davon, wie es sein soll, und gesucht wird der Weg dorthin.

Wenn es keinen Weg gibt

Bei der Planung kann dreierlei herauskommen. Es gibt genau einen Weg zum Ziel. Es gibt mehrere, zwischen denen man wählen kann. Oder es gibt keinen.

Der dritte Fall ist der unbequemste und zugleich der nützlichste. Wenn das Geld nur für 15 Laternen im Jahr reicht, ist das Ziel „in drei Jahren fertig“ nicht erreichbar — nicht aus Unwillen, sondern rechnerisch. Dann bleiben drei Möglichkeiten: mehr Mittel, ein späterer Termin, oder ein anderes Ziel. Welche davon man wählt, ist eine politische Entscheidung; dass eine getroffen werden muss, zeigt das Modell.

Das ist der Unterschied zwischen einem Modell und einem guten Vorsatz. Ein Vorsatz kann jahrelang bestehen, ohne dass auffällt, dass er nicht aufgeht.

Was ein Modell nicht leistet

Ein Modell sagt nicht, was man wollen soll. Ob alte Laternen überhaupt ausgetauscht werden sollen, ob Geld dafür da sein soll und was wichtiger ist als etwas anderes — darüber entscheidet ein Modell nichts. Es sagt nur, was folgt, wenn man sich entschieden hat.

Und es ist nie besser als seine Annahmen. Wer von 20 Laternen im Jahr ausgeht, obwohl es tatsächlich zwölf sind, bekommt eine saubere Rechnung mit falschem Ergebnis. Deshalb gehört zu jedem Modell auf diesen Seiten, woher seine Zahlen stammen — aus den Unterlagen der Gemeinde, aus einem Bericht des Kreises, aus einer Schätzung. Wo eine Zahl geschätzt ist, steht das dabei.

Modelle auf diesem Server

Die Modelle hier entstehen aus den Themen: zuerst wird gesammelt, was in den Unterlagen über eine Sache steht, dann wird versucht, daraus eine Rechnung zu machen. Nicht jedes Thema wird je ein Modell bekommen, und die ersten Modelle werden grob sein.

Das ist beabsichtigt. Ein Modell, das sich als falsch erweist, hat seinen Zweck erfüllt, wenn man daraus lernt, wo die Annahme nicht stimmte. Ein Modell, das nie überprüft wird, ist wertlos — auch wenn es aufwendig aussieht.

Dieser Teil des Servers ist ein Versuch. Ob sich die Vorgänge einer Gemeinde auf diese Weise fassen lassen und ob es jemandem nützt, wird sich an den ersten Modellen zeigen. Rückmeldungen dazu sind ausdrücklich erwünscht: info@demokratielabor.org

Für alle, die es genauer wissen wollen

Hinter dem, was oben in Alltagssprache steht, liegt eine knappe Schreibweise. Ein Modell besteht danach aus fünf Bestandteilen: den Fakten, die im betrachteten Zeitraum gleich bleiben; den Beziehungen zwischen ihnen; den Veränderungen, die beschreiben, was wegfällt und was hinzukommt; den Zeitpunkten, zwischen denen gerechnet wird; und der Ableitung, die aus einem Zustand den nächsten gewinnt. Kurz:

{F, B}(t) |—V {F', B'}(t')

Gelesen: Aus den Fakten und Beziehungen zum Zeitpunkt t ergeben sich durch Anwendung der Veränderungen V die Fakten und Beziehungen zum Zeitpunkt t'. Im Beispiel oben sind die 300 Laternen und die 120 alten die Fakten, der jährliche Austausch von 20 Stück ist die Veränderung, und das Ergebnis nach einem Jahr ist der abgeleitete Zustand.

Die Schreibweise stammt aus einer längeren theoretischen Arbeit; ausgeführt ist sie in Experiment Nr. 30 auf emerging-life.org. Für die Benutzung dieser Seiten braucht man sie nicht.